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22.10.2015

Bericht von der Frankfurter Buchmesse am 18. Oktober 2015

Augmented Reality bei Kinderbüchern weiter auf dem Vormarsch
(Dr. Joachim von Hein, DIPLOMA Hochschule Hannover www.Diploma.de ) Eine Neuheit brachte der Kinderbuchverlag Oetinger auf der Frankfurter Buchmesse 2015 heraus. Zusammen mit neun Verlagen entwickelte er http://tigercreate.com/de/ Dieses neue Angebot wurde im Hause Oetinger selbst entwickelt. Weitere Verlage beteiligen sich daran. Autoren selbst können mit Hilfe der Software ein eigenes Buch mit Augmentierungen herausgeben. Oetinger selbst nennt es eine „Revolution“ auf dem Kinderbuchsektor.
Zurzeit werden 18 verschiedene Bücher (von 3 verschiedenen Verlagen) als so genanntes "Superbuch" augmentiert. Bis zum Frühjahr 2016 erscheinen drei lernpädagogische Bücher mit Highlighter Funktion. Es werden auch mehrere aktuelle und bekannte Bücher (die auch schon in Bestenlisten aufgetaucht sind) „erweitert“. Beispiele hierfür sind: Der kleine Drache Kokosnuss, Janosch - Der kleine Tiger braucht ein Fahrrad, Wie Findus zu Pettersson kam, Prinzessin Lillifee, Der Kleine Eisbär, Henriette Bimmelbahn usw. http://www.tigerbooks.de/was-ist-ein-tigerbook
Als Verlagsreferenzen werden aufgelistet:
Bastei Lübbe AG
Binsfeld
Blue Ocean Entertainment
Carlsen Verlag GmbH
coANDco uK
Don Bosco Medien GmbH
Egmont Verlagsgesellschaft mbH
Elvengreen Publishing
Florida Hospital
Goloseo Verlag
ITV
Janosch Film
Julius Beltz GmbH
Ka Zoom Digital Publishing
Kiddinx Media GmbH
Kursiv Verlag GmbH
LARIXPRESS GmbH
Lappan Verlag GmbH
Little Fruit Tree
Little Lights Studio GmbH
Merlin Publishers Ltd
Micheal O‘Mara Books
Octopus Publishing Group
PeakEbooks
Ravensburger AG
Tidepool Publishing Inc
Typ förlag
Verlag Friedrich Oetinger GmbH
Ähnlich wie bei Carlsen gibt es ein Bilderbuch von den verschiedenen Verlagen, über das ein Smartphone oder ein Tablet-PC gehalten wird. Darauf werden dann die Bilder aus dem Buch bewegt, es tauchen weitere Figuren auf und es ertönt eine Erzählstimme. Die einzelnen Figuren lassen sich auch mit dem Finger verschieben. Die Bücher sind aber auch als solche gut lesbar. Es können für die Anwendung von AR auch ältere Ausgaben beispielsweise der Janosch-Bücher verwendet werden. http://www.oetinger.de/buecher/tigerbooks/alle-titel.html


Auf den meisten Buchseiten der „Superbücher“ von Oetinger sind allerdings nur wenige Figuren auf einer Seite des Buches abgebildet, dafür aber sehr originell und liebevoll gestaltet. Mehrsprachigkeit ist nicht vorgesehen. Es muss nur das Bilderbuch gekauft werden. Die dazugehörige App kann kostenlos heruntergeladen werden.

Das Angebot des Verlages Carlsen ist vergleichbar und schon länger auf dem Markt. Es wird ebenfalls ein Smartphone oder Tablet-PC benötigt – und Internet-Empfang – auch während einer Reise! Die Bilder sind wesentlich vielfältiger als bei den meisten Oetinger-Büchern. Es gibt allerdings das Problem, dass auf den älteren Ausgaben, zum Beispiel dem Europa Buch, die Grafiken so nah beieinander stehen, dass die Kinder die Geräte sehr ruhig und zielgerichtet halten müssen, damit Texte oder Bilder sichtbar werden. Dieser Fehler wurde erkannt und korrigiert, indem die Abstände zwischen den einzelnen Fundstellen vergrößert wurden. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass es jetzt vier verschiedene Funktionen gibt
1. Texte die vorgelesen werden,
2. ergänzende Bilder oder Grafiken,
3. Spiele, die zwei Kinder spielen und
4. Geräusche zum Thema (neu).
Die Carlsen Bücher sind durch die Vielseitigkeit auch für ältere Kinder interessant, während die Bücher von Oetinger in der Mehrzahl eher jüngere Kinder ansprechen. Auch hier müssen nur die Bücher gekauft werden – die App ist kostenlos. https://www.carlsen.de/leyo
Im Handel ist von Carlsen nur wenig zu sehen, weil es recht erklärungsbedürftig ist. Außerdem mögen manche Eltern ihren Kindern nicht einfach ihr Smartphone überlassen. Ein Alternative wäre die Anschaffung eines speziellen Smartphones für Kinder.

Der Ting-Stift von Tessloff wurde von der Agentur Himmer 2011 entwickelt. Über 20 Verlage haben sich an dem Projekt beteiligt und die Entwicklung mitfinanziert. Der Ting-Stift kann nur vorlesen. Weil er kindgerecht sein soll, hat er nur wenige Funktionen. Der Stift wird in China produziert. Die Tonqualität des Ting-Stiftes kann mit Hilfe von Kopfhörern deutlich verbessert werden, er funktioniert wie ein MP3-Player. Er ist separat zu kaufen (ca. 40 Euro).
Alle Wörter in den Büchern können auch in Englisch und Französisch angehört werden. Das funktioniert durch das einmalige Aufladen einer entsprechenden Datei auf dem Ting-Stift. Technisch wird dazu ein winziger, mit dem bloßen Auge kaum sichtbarer Barcode gelesen, ähnlich wie bei einem QR-Code. Der Ting-Stift ist wiederaufladbar und braucht keine Batterien. Er kann unabhängig vom Internet (auch auf Reisen) genutzt werden.
Der Ting-Stift muss keine ständige Internet-Verbindung haben, da die nötigen Dateien in seinem Speicher ( 4 GB) enthalten sind. Die Vorteile des Ting-Stifts sind nicht auf den ersten Blick erkennbar und es wird von den angeschlossenen Verlagen nur wenig Werbung dafür gemacht. Er wird daher vom Handel etwas vernachlässigt. http://www.ting.eu/de/was_ist_ting_/
Kinderbücher für den Ting-Stift gibt es u. a. von: http://www.ting.eu/de/buecher_mehr/ting_fuer_kinder/bilderbuecher/
Brockhaus („Mein erster Hör-Brockhaus“)
Duden (“Das Wimmel-Wörterbuch”)
Edition XXL
Finken
Gabriel
Kosmos („Welcher Gartenvogel ist das“)
Langenscheidt (Fremdsprachen Bildwörterbuch)
Sauerländer
Thienemann
TINGplus!

Im Vordergrund des Handels mit erweiterter Realität steht mit großem Abstand der Tiptoi-Stift von Ravensburger seit 2010. Es wurden schon über eine Million Stifte verkauft. Seine Technik basiert auf einem 2D Barcode. Er ist unter einem orangefarbenen Fleck auf dem Rücken der Tierfiguren und in den Büchern verborgen. Gekauft werden müssen diese Figuren, die Bücher und der Stift. (Starterset ohne Tiere 42 Euro) Der Stift muss vor dem Gebrauch recht umständlich “geladen” werden (Speicher ca. 4 GB). Er wird mit Batterien betrieben. Er wird als recht robust beschrieben. Leider zerkratzen die Bücher schnell.
Andere Bücher, wie bei dem Konzept von Ting, können damit nicht gelesen werden. Es ist damit das teuerste der angebotenen Systeme. Aus den ebenfalls sehr kleinen Lautsprechern des Stifts ertönen Tierstimmen oder Erklärungen, manchmal nur sehr kurz. Mehrsprachigkeit ist nicht vorgesehen, der Tiptoi kann aber in einer anderen Sprache geladen werden, ist dann aber komplett anderssprachig. Ein Hin- und Herspringen, wie beim Ting ist nicht möglich.
https://www.tiptoi.com/de/tiptoi-konzept/index.html

Ein ähnliches Produkt ist der Toystick vom Noris-Spiele-Verlag seit 2011. Mit ihm sind auch fremde Sprachen erlernbar. Die Besonderheit dieses Stiftes ist, dass mit ihm von Kindern (und Erwachsenen) Sprachaufnahmen usw. aufgenommen und später wieder abgespielt werden können. http://toystick.tumblr.com/ (Kosten ca. 30 Euro).
Er wurde auf der Messe nicht gezeigt. Das Projekt scheint auszulaufen.

Autor: Dr. Joachim von Hein, Dozent an der DIPLOMA Hochschule, Forschungsstelle für Frühpädagogik, Projektleiter für empirische Sozialforschung und Befragungen bei Verlagen. Die Weiterentwicklung von AR wurde von der Projektgruppe durch eine bundesweite Befragung im Vorfeld der Messe richtig vorhergesehen. http://www.hasselwander.co.uk/immer-mehr-kinderbuch-verlage-setzen-auf-augmented-reality/
Tel: 0511 646 11 588 und per E-Mail: info@jvhein.de





Firma: Marketing- PR- und Personalberatung

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Joachim von Hein
Stadt: Hannover
Telefon: 051164611588


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