therapie Leipzig: Kiefergelenkdysfunktion - "Chamäleonkrankheit" als Arbeitsfeld für Physiotherapeuten

14.01.2009 | 69817
Rasender Kopfschmerz, Hüftprobleme, Rückenbeschwerden, Schwindelgefühl, nächtliches Zähneknirschen und Abrieb des Zahnschmelzes - Fehlfunktionen des Kiefergelenks sind Ursache vieler Symptome. Werden elementare Störungen des Kauapparates nicht entdeckt und behandelt, kann die Krankheit zahlreiche Körperfunktionen beeinflussen und bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Bei der Betreuung der Patienten kommen verstärkt interdisziplinäre Teams zum Einsatz, zu denen neben Zahnmedizinern auch Physiotherapeuten gehören. Aktuelle Behandlungsansätze bei der Therapie von Kiefergelenkdysfunktionen diskutieren Physiotherapeuten und Mediziner während der therapie Leipzig, die vom 19. bis 21. März 2009 auf dem Leipziger Messegelände stattfindet.


"Die Behandlung von Kiefergelenkdysfunktionen ist inzwischen ein ganzheitlicher Prozess. Im Mittelpunkt stehen Zahnarzt und Kieferorthopädie, hinzugezogen werden zum Beispiel Allgemeinmediziner, HNO- und Augenärzte, Neurologen, Orthopäden sowie Physiotherapeuten und Logopäden", berichtet Jürgen Focke, der in seiner Praxis für Physiotherapie in Nordhorn Patienten mit "Craniomandibulärer Dysfunktion" (CMD) betreut, wie die Fehlfunktionen der Kiefergelenke auch genannt werden.

"CMD ist wie ein Chamäleon, manifestiert sich in unterschiedlichsten Krankheitsbildern - sie kann Knacken im Kiefergelenk sowie Blockaden beim Mundöffnen genauso verursachen wie Zahn- oder Gesichtsschmerzen, Augen- oder Ohrenprobleme bis zum Tinnitus, weil Nerven und Muskeln des Kiefergelenks auch das Trommelfell beeinflussen. Deshalb ist CMD schwer zu diagnostizieren." Bei zehn Prozent seiner Patienten sei CMD die Ursache ihrer Probleme, so Focke.

Physiotherapeut als "Drehscheibe"

"Der Physiotherapeut kristallisiert sich immer mehr als zentrale Figur bei der CMD-Therapie heraus, denn zu ihm kommen die Patienten mit Schmerzen am Bewegungsapparat oder Problemen der Halswirbelsäule und er leitet sie an Zahnmediziner weiter", beobachtet Jürgen Focke. Etliche Patienten hätten bereits eine regelrechte Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor CMD als Schmerzursache gefunden werde. "Physiotherapeuten haben eher den ganzheitlichen Blick auf die Beschwerden, sie tragen in diesem Bereich deshalb große Verantwortung." Zahnmedizinische Behandlung bleibt dabei zentraler Teil der übergreifenden Therapie: So mindere die vom Zahnmediziner angepasste Aufbissschiene Druck an den Kiefergelenken, verhindere Schmerzen und Zahnschäden. Doch für einen dauerhaften Therapieerfolg müssen zum Beispiel auch die Fehlstellungen im Bewegungsapparat korrigiert werden, so Focke. Isoliertes Vorgehen einzelner medizinischer Fachbereiche laufe bei CMD ins Leere.

"In Deutschland denken wir viel zu sehr in Einzeldisziplinen", kritisiert der Physiotherapeut. "Die Beneluxstaaten und die USA sind uns im ganzheitlichen Denken auch in der medizinischen Ausbildung voraus. Die craniomandibuläre Orthopädie hat sich dort seit den 1990-er Jahren als eigenständiger Berufszweig der Kieferorthopädie entwickelt."



Therapie auf drei Säulen

"Die physiotherapeutische CMD-Behandlung steht auf drei Säulen", berichtet Jürgen Focke. "Ich schaue mir die Bewegungen im Kiefergelenk an. Ist der Gelenkdruck zu hoch, fehlt die 'Schmiere’. Statt Rutschen und Gleiten findet nur noch ein brutales Rollen statt - dann versuche ich, die Schmiertätigkeit im Gelenk zu verbessern." Auch die Körperhaltung des Patienten gebe Aufschluss: "Ich prüfe Kopf-, Becken- und Fußstellung. Veränderungen des Körpers können das Kiefergelenk beeinflussen." Der dritte Bereich ist die Muskulatur: "75 Prozent der Probleme von CMD-Patienten beruhen auf muskulären Dysbalancen", so Focke. "Kau- und Mimikmuskeln sind eingebunden in einen komplizierten muskulären Regelkreis. CMD kann eine ganze Kettenreaktion muskulärer Fehlbelastungen und Verspannungen hervorrufen. Der Körper versucht, Fehlstellungen im Kieferbereich zunächst auszugleichen, deshalb kann CMD längere Zeit unentdeckt bleiben. Doch die einseitige Belastung von Muskelgruppen führt langfristig zu Verkürzungen und Schmerzen."

Neuer Markt für Physiotherapeuten

"CMD eröffnet Physiotherapeuten ein neues Tätigkeitsfeld, in Zusammenarbeit mit Zahnärzten oder Kieferorthopäden", sagt Jürgen Focke. Die physiotherapeutischen Leistungen würden von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Zudem seien die Zahnärzte den Budgetbeschränkungen bei Heilmitteln nicht unterworfen. "Doch Physiotherapeuten dürfen CMD nicht als finanziellen Lückenbüßer betrachten", warnt Focke. "Wir müssen verantwortlich mit den Budgets umgehen. Es geht um die Patienten, nicht ums Geld."

Auf dem Fachkongress der therapie Leipzig informiert Jürgen Focke in einem Workshop über das multifaktorelle Krankheitsbild CMD, Symptome und interdisziplinäre Behandlungsmöglichkeiten.

Hintergrund: Craniomandibuläre Dysfunktion CMD

Der Begriff CMD ist abgeleitet von Cranium (Schädel), Mandibula (Unterkiefer) und Dysfunktion (Fehlfunktion). Er bezeichnet ein gestörtes Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer, das zu Überlastungsschmerzen im Gesichts- und Kopfbereich, aber auch zu Beschwerden bei entfernten Organen führen kann. Ursachen dafür können Zahn-Fehlstellungen, fehlende Zähne, Füllungen, Brücken oder Zahnkronen sein- aber auch Unfälle.

therapie Leipzig: Fachausstellung mit über 200 Anbietern

Die therapie Leipzig gibt als einzige Fachmesse in Deutschland einen Überblick über Medizinische Rehabilitation und Prävention. Zur kommenden Veranstaltung vom 19. bis 21. März 2009 informieren über 200 Aussteller auf dem Leipziger Messegelände über neueste Angebote auf dem deutschen Markt. Gezeigt werden vor allem Therapiegeräte und Zubehör sowie Einrichtung, Ausstattung und EDV-Lösungen für die therapeutische Praxis, Kliniken sowie Kur- und Heilbäder. Die letzte therapie Leipzig endete mit einem 40-prozentigen Besucherplus und 26-prozentigen Ausstellerzuwachs. Insgesamt nutzten 9.100 Physio- und Ergotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister, Führungskräfte von Akut- und Rehakliniken sowie Kur- und Heilbädern das Angebot der 188 Aussteller im März 2007.



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